Dienstag, 18. Dezember 2012

Am Kap der Angst Teil II

Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja richtig, Kapstadt...
Es sollte ja bekannt sein, dass der ehemalige Präsident der Republik Südafrika, Nelson Mandela, viele Jahre seines Lebens (27 Jahre) als politischer Gefangener inhaftiert war. Einen Großteil der Strafe saß er auf der Gefängnisinsel Robben Island vor der Küste Kapstadts ab. Diese Insel war einst von Robben bevölkert, daher ihr (aus dem Niederländischen stammender) Name. Heutzutage gehören diese jedoch nicht mehr zur Fauna der Insel, dafür allerdings Pinguine.
Zwischen Kapstadt (ab dem Nelson-Mandela-Gateway) und Robben Island verkehren Fähren, die die Besucher von einem Ort zum anderen transportieren. Das mussten wir natürlich auch noch in Anspruch nehmen.
Auf der Hintour war die Geschwindigkeit des Katamarans eher gemächlich, damit sich die Passagiere auch das Hafengebiet anschauen konnten. Das ging am besten außerhalb der überdachten Bereiche, weil diese ziemlich stark klimatisiert waren.


Auf der Insel ging es dann mit einem Bus (in Südafrika verkehren sogar Busse von Volkswagen) weiter, in dem man einen allgemeinen Überblick über die Insel, deren Geschichte und die Bewohner erhalten hat. Dieser Teil der Veranstaltung wurde, wie sollte es auch anders sein, von einem schreienden Kleinkind gestört. Nach der anschließenden Pause mussten erwachsene Menschen dreisterweise versuchen, etwa handtellergroße Muscheln und Steine vom Strand zu klauen und offen in den Bus zu tragen.


Die Führung im Zellenblock wurde von einem ehemaligen Gefangenen durchgeführt (der allerdings kein Muttersprachler war, was das Verständnis etwas erschwerte). Viele der damaligen Insassen waren später Mitglieder der Regierung. Übrigens galten politische Gefangene als "schwerere" Gefangene als Räuber, Vergewaltiger etc.
Na dann: Frohe Weihnachten!
Normale Einzelzellen waren natürlich um
ein Vielfaches kleiner
Wachturm (nicht der der Zeugen Jehovas)
Neben offensichtlichem Desinteresse erwachsener Menschen (wozu geht man dann hin?), Leuten, die Fotos mit iPads machten und Leuten, die sich gegenseitig vor allem fotografieren müssen, gab es auch einen kleidungstechnischen Fauxpas.
Übrigens beide weiblich...
Auch hier hatten wir wieder unheimliches Glück mit dem Wetter. An den darauffolgenden Tagen war es deutlich windiger (jedoch trotzdem warm, trocken und sonnig), sodass die Fähren nicht verkehrt sind.
Der Rückweg gestaltete sich deutlich kürzer, da man sich ja nichts mehr angucken "musste". Man konnte dann auch nicht mehr wirklich draußen stehen, da man ansonsten von der Gischt durchnässt wurde.
Der aufkommende Wiind brachte jedoch noch ein Naturschauspiel mit sich, das sogenannten Tablecloth. Hierbei überqueren vom Meer kommende Wolken (durch den Wind getrieben) den Tafelberg und werden auf der anderen Seite durch einen Fallwind hinuntergedrückt. Das Ganze sieht dann so aus...
Mit zu dem Zeitpunkt noch verhältnismäßig schwacher Ausprägung
Und da wir da, wie so oft, eh gerade an der Victoria & Alfred Waterfront unterwegs waren, noch einige Bilder, um euch einen Eindruck von dieser schönen Gegend zu verschaffen:
Der Coca Cola Crate Fan, eine Figur, die aus
tausenden Cola-Kästen besteht



Clocktower
Als Abschluss des Tages stand noch das Two Oceans Aquarium auf dem Plan. Da der Indische und der Atlantische Ozean bei Kapstadt zusammen"fließen", werden dort Wasserbewohner dieser beiden Ozeane ausgestellt. Die Kamera war ausnahmsweise dabei...

Steinfische
Steinhummer


Der gute alte Ali
Auch der Donnerstag war (relativ kurzfristig) durchgeplant. Morgens sollte uns der BAZ-Bus abholen und quer über die Kap-Halbinsel kutschieren.
Telefonisch wurde uns bei der Buchung gesagt, der Bus sei morgen zwischen 08:00 und 09:00 vor der Tür, um uns abzuholen. Um dreiviertel 8 klingelte dann allerdings schon das Telefon und man forderte uns zum Herunterkommen auf. Wir waren die ersten im Bus und nach und nach wurden überall in Kapstadt weitere Teilnehmer der Tour eingesammelt. Dabei stellte sich recht schnell heraus, dass der Anteil an Deutschen wieder einmal ziemlich hoch war.
Die Gruppe bestand im Wesentlichen aus einer nervigen Mittvierzigerin mit Kind (das uns ständig aufgehalten hat), einer Lehrerin im Sabbatjahr, die vor jedem Ding (Sehenswürdigkeiten etc.) ein Foto von sich in dämlicher Pose haben musste (und uns ebenfalls ständig aufhielt), einem anti-stereotypen Australier (beleibt, bleich und mit roten Haaren) und Asiatinnen, die kein Benehmen hatten (sie hatten z.B. bei einer Mahlzeit erst einmal alle Brötchen angefasst und begutachtet, bevor sie sich für eines entschieden haben). Zum Glück waren das nicht alle...
Auch bei dieser Tour gab es wieder verschiedene Stopps, allerdings waren diese größtenteils obligatorisch und auch schon im Preis inbegriffen. Der erste führte uns zu einem Boot... Und dieses wiederum führte uns bei ordentlichem Wellengang zu einer Robbenkolonie.









Nach einem weiteren kurzen Stopp mit folgender Aussicht
sollten uns wildlebende Pinguine erwarten, und zwar in Boulders Beach. Auf die Pinguine wird weiträumig hingewiesen...


Mit dieser Beschilderung waren sie dann doch ziemlich einfach zu finden. Allerdings haben wir sie zur Zeit der Mauser aufgesucht, dadurch sahen die Tierchen doch etwas zerzaust aus. Dadurch, dass sie das Gefieder wechseln, haben sie keinen ausreichenden Kälte- und Feuchtigkeitsschutz mehr und können deshalb auch nichts im Wasser auf die Jagd gehen. Durch diesen Umstand sind sie etwas geschwächt (schließlich essen sie bis zu einem Monat praktisch nichts) und faul...


Viele weitere Gaffer


Der Name Boulders Beach kommt nicht von ungefähr...
Doch das war nicht der letzte Stopp an diesem Tag, denn was wäre ein Besuch in Kapstadt bitte ohne einen Ausflug zum Kap der Guten Hoffnung und zu Cape Point? Ganz recht, nichts. Dort mussten wir allerdings erst einmal hinkommen. Man ließ uns kurzerhand ca. 5 km von einem Besucherzentrum aus dem Auto, würgte schnell ein paar Schrauben an Vorbauten und Sattelstützen fest und setzte uns auf ungepflegte Räder. Obwohl mir das Rad fahren mittlerweile fast fremd geworden war, hat es doch ganz gut geklappt mit dem Treten und Gleichgewicht halten.
Unterwegs sah ich dann sogar noch eine leibhaftige, freilebende Schildkröte... Beim Besucherzentrum gab es eine kleine Mahlzeit und dann ging es endlich zum Cape Point (dort, wo der Leuchtturm steht). Auch dort gibt es wieder einmal eine einfache Möglichkeit, ans Ziel zu kommen, nämlich mit einer Art Seilbahn. Wir haben selbstverständlich den normalen Weg gewählt. Viel zu sehen gibt es ehrlich gesagt nicht. Da steht halt ein Leuchtturm und es gibt Berge. Und natürlich auch den Ozean, die Kaphalbinsel und das Kap der Guten Hoffnung, den südwestlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents... Zu dem ging es dann im Anschluss. Dorthin führte ein Wanderweg, der größtenteils aus Holz bestand (und auf die Felsen gelegt war). Der Wind war nach wie vor ziemlich stark (und wird es dort vermutlich auch nie nicht sein) und machte die etwa halbstündige Wanderung recht anstrengend, da man aufpassen musste, nicht vom Weg geweht zu werden (ernsthaft). Zum Glück war es auflandiger Wind...

Cape Point mit Leuchtturm


Blick aufs Kap der Guten Hoffnung
Blick zurück
Richtung und Distanz waren somit bekannt...

Flora am Kap
Wanderweg von Cape Point zum Kap

Kurz bevor wir am Bus, der uns wieder nach Hause bringen sollte und am "Fuß" des Kaps wartete, ankamen, bemerkten wir am Wegesrand und auf Steinen noch eine possierliche Tierchen. Durch mein ungemeines Wissen konnte ich diese schnell als (Kap-)Klippschliefer entlarven.

Vor dem Beginn der Weiterfahrt bat uns der Reiseführer, uns bemerkbar zu machen, falls wir etwas sehen und anhalten bzw. etwas darüber wissen wollen... Nach einigen Sekunden musste der Fahrer sofort wieder anhalten...
Strauß am Strand
Am Abend haben wir auf eigene Faust noch ein wenig die Long Street erkundet und haben unangenehme Bekanntschaft mit einem sehr aufdringlichen Bettler gemacht, der sich auch von Sicherheitskräften der Stadt nicht hat wegschicken lassen. Es ist aber alles glattgelaufen. Das war im Übrigen die einzige derartige Situation in meinem gesamten Südafrika-Aufenthalt.
Der für den nächsten Tag angesagte Regen und das Gewitter blieben überraschenderweise aus. Derartige Fehlprognosen sollen dort aber üblich sein. Dafür war es das erste Mal seit einigen Tagen nicht windig. Die Sonne schien und es war heiß... Der letzte Tag in Kapstadt wurde dem Einkauf von Souvenirs gewidmet, da wir noch nicht alles hatten (wobei ich eh mangels Platze größtenteils darauf verzichtet habe). Die Märkte in den Touristengegenden sind wie überall auf der Welt - es gibt aufdringliche und nervige Verkäufer, die einem immer wieder sagen, man solle sich Zeit lassen und dann doch hinter einem standen und auf die Finger schauten. Prinzipiell waren sie immer der Ansicht, der Artikel, den man in der Hand hielt, stehe bzw. passe einem perfekt. Nach einer Woche auf den Beinen wird man allerdings etwas fußlahm. Daher haben wir es ruhig angehen lassen und uns später auch noch das Malaienviertel Bo-Kaap. Dort gibt es viele kleine, bunte Häuser, die man eventuell von Postkarten oder anderen Bildern kennt.
Allerdings sahen bei Weitem nicht alle Häuser so gut aus. Vieles war verfallen und dreckig. Aber das ist ja ein bekanntes Bild...
Den letzte Teil meines Auslandsaufenthalts habe ich dann wieder in Johannesburg verbracht. Neben einem kurzen Ausflug nach Vanderbijlpark, wo ich noch Formalitäten (Notenkonto, Praktikumsbericht) klären konnte, bin ich auch die ganze letzte Woche dort gewesen.
Am 07.12. war es dann endlich so weit und ich wurde am Flughafen abgesetzt. Dort wurde dann auch direkt Verspätung für meinen Flug angezeigt. Wie lange? Das war nirgends zu lesen und ich erfuhr es auch erst beim Einchecken. Im Endeffekt war es dann eine Stunde, womit meine Umsteigezeit in London auf eine Stunde schrumpfte, was zu wenig war. Daher wurde für mich direkt ein späterer Anschlussflug gebucht. Im Gegensatz zum Juli lief diesmal auch alles super in London... Über Afrika gab es einige Gewitter, die wir durchfliegen mussten. Eine ziemlich interessante Erfahrung, Blitze links und rechts auf Augenhöhe. In London stand allerdings nicht das Gate auf dem Plan, zu dem ich musste. Ich musste also zum ungefähren Ort gehen und warten... Nachdem das Boarding-Gate geöffnet wurde, standen die gewünschten Informationen an den Plänen.

Auf dem Weg nach Berlin wurde die Welt unter mir dann immer weißer...